Beobachtungen eines DJs
Jeder kennt sie und jeder DJ freut sich über sie – die Tänzer und Tänzerinnen. Aber nicht dass man glaubt, es gäbe da keine “Genres”, nein, die Welt derer, die sich rhythmisch zu Musik bewegen, ist vielfältig:
POSER:
Sie erklimmen sofort irgendein Podest, am besten mit Stange, egal wie, hauptsache, sie werden gesehen. Ein echter Poser hat auch Choreographien für die angesagtesten Clubhits einstudiert und kann es kaum erwarten, sie der Welt zu zeigen. Sein Traum ist es, dafür einmal bezahlt zu werden.
AUSDRUCKSTÄNZER:
Im Gegensatz zum Poser legt diese Person Wert darauf, einmal eine klassische Tanzausbildung gehabt zu haben, und das will auch gezeigt werden. Es wird versucht, obskure und abstruse Bewegungen im Takt recht einfacher Musik zu vollführen. Dass der Rest des Publikums das mehr als trauriges Rumgehampel ansieht wird dezent ignoriert.
DER ANTÄNZER:
Do you think I’m sexy…? Nein? Dann beweise ich es Dir indem ich wild fuchtelnd um Dich herumtanze. Man sollte sich nicht allzu nerven lassen von dieser Spezies, denn es sind meistens Lead-Tänzer einer südamerikanischen Tanzcombo oder Tanzlehrer für Rhumba, Samba oder sonstwas.
TANZSCHÜLER:
Diese Gattung kann zu allem – und ich meine wirklich allem – einen Standardtanz vollführen. Discofox zu Electro, Walzer zu Hip Hop – völlig egal. Leider machen sie das oft alleine, denn welche Frau will schon auf diese Art und Weise eine “Flotte Sohle auf’s Parkett legen” (wie wir Tanzschüler so sagen)…
FORMATIONSTANZTEENIES:
Eine weit verbreitete Spezies, die das erste mal bei Fantasy Girl auftauchte und seitdem mit Krachern wie Mambo No. 5, Saturday Night, Coco Jambo, Macarena und zuletzt dem Cupid Shuffle unsere Tanzflächen bereichert hat. Leider nervt das den Rest der Leute ungemein und diese Gruppierungen halten sich meist nicht lange denn, die eine Schlampe hat mit dem Freund der anderen geschlafen und ihm erzählt, die Moves sind eigentlich von ihr…
BESOFFENE “EIGENTLICH NICHT-TÄNZER”:
Alkohol macht lustig und so mancher, der sich nie auf die Tanzfläche stellen würde, findet sich auf einmal inmitten der wildesten Choreographie wieder, mit ungefähr zehn Leuten und ihren Handykameras dabei, die sich nicht scheuen werden, das ganze per MMS oder Youtube zu verbreiten. Orientierungsloses Umherwippen zeugt von der eigentlichen Willenlosigkeit, die ihn dazu gebracht hat, auf der Box mit der Stange einen Striptease für den DJ zu vollführen. Jetzt kann man nur hoffen, dass die Kameras der Handys scheisse sind und keiner einen Youtube-Account hat.
LOSER:
Steht an der Bar, ein Glas in der Hand, gelangweilt umherwippend… Und signalisiert “ich bin offen für jedes Gespräch”, in dem er ab und zu das “Fist Pumpen” mit einem Finger zum Riesenhit vollführt. Na bravo.
HITDANCER:
Der Hitdancer wartet ungeduldig, bis der DJ endlich “seinen” Hit spielt, der allen anderen schon aus diversen Funk und Fernsehwerbungen auf den “Sak” (Noel) geht. Wenn aber der Hitdancer auf die Tanzfläche stürmt, ist er euphorisch und winkt dem DJ mit Daumen hoch erfreut zu, singt ausgelassen mit ungeachtet der nicht vorhandenen Textsicherheit und wenn es geht wird die Choreographie des dazugehörigen Videos gleich mit abgeliefert. Sollte der DJ nach dem Hit aber etwas anderes, nicht so bekanntes spielen, verlassen sie fluchtartig und angepisst die Tanzfläche und schimpfen über die “scheiss Musik” und den “DJ, der keine Stimmung machen kann”. Ein Hitdancer hat überhaupt keine Hemmungen, alle 5min zum DJ zu kommen um sich “seinen” Hit zu wünschen, egal, ob der gerade reinpasst oder genereller Scheiss ist. “Power To The People” sag ich da nur…
MUSIC LOVER:
Das Gegenteil zum Hitdancer – Er muss beweisen, dass er als einziger den experimentellen Electrotrack, den der DJ grad spielt, schon seit 3 Jahren kennt und nur er an der richtigen Stelle die Arme hochreissen kann. Seiner Meinung nach spielt der DJ leider immer die schlechteste Version dieses Songs.
DIE UNGELENKEN:
Gottes vergessene Kinder… oder doch mutige Pioniere ohne Furcht und Scham? Denn als der Sinn für Bewegung verteilt wurde, war diese Gattung leider auf Klassenfahrt. Sie tanzen immer und können es leider nie, was natürlich jedem ausser ihnen auffällt. Angeborene Unfunkyness ist bei dieser Gattung eine Volkskrankheit. Tapfer üben “Die Ungelenken” ihre Leidenschaft aus wie ein taubstummer Sportkommentator. Andere dieser Gattung verzichten auf eigene Tanzeinlagen und stehen lieber am Rand der Tanzfläche als “Dancefloor Kommentator”. Viele Männer halten ja andere Männer die tanzen für Lutscher oder Weicheier oder verkappte Schwuggeles. Für die ist eine Tanzfläche eine Stutenparade gleich einer Live Show auf einer Erotikmesse. Tänzer und Nichttänzer treffen sich wenn überhaupt an der Bar und das auch nur, weil der Tänzer den Nichttänzer mit seinem schweissnassen Arm berührt hat. Denn wer will sich beim Rauchen, Getränke bestellen oder Pinkeln schon aus dem Groove bringen lassen, indem er die Beine stillhält.
Jetzt wäre noch interessant, zu welcher Gattung ihr denn gehört? Ich verspreche auch, ich lasse die Videokamera am iPhone das nächste mal aus ;-)








