PostHeaderIcon Großraum für Musik

Da ich selber jetzt seit fast 16 Jahren aktiv auflege, kann ich auch schon ab und zu von den “guten alten Zeiten” reden – erschreckend aber wahr. Und wenn man sich die Entwicklung der Kategorisierung von Musik anschaut, kann einem Angst und Bange werden. Auf die Frage “was legst Du denn so auf” kann ich spontan mehrere Antworten geben. Beispiel gefällig? Ich spiele House, Electro, Elektro (mit “k”!!), Progressive House, Minimal, Tech House, Electro House und bestimmt auch ab und zu Trance, Hardstyle, Hands Up, Deep House und Deep Tech, ohne es zu merken. Früher hat man halt “Techno” aufgelet, da war aber dann alles oben genannte dabei plus Trance im Stile von Paul Van Dyk und Tiesto.

Früher war das alles noch einfach. Da kamen die Leute um zu feiern, es lief erst Cosmic Gate, dann Paul Van Dyk, Alice Deejay, Disco Boys, Kai Tracid, Eletrochemie LK, Chris Liebing, Sylver, Scooter, Pulsedriver, Mousse T, DJ Tonka, ATB, Space Frog, Energy 52, Vengaboys, Safri Duo – und alles in dieser Reihenfolge, im Original und nicht in diesen gehörgangzerfressenden und Brechreiz hervorrufenden Coverversionen a la “Hey Nah Neh Nah” und “We No Speak Americano”. Heute bekommt man ja schon beim Aufbauen in einem Club die Ansage “aber kein so hartes House-Zeugs oder Techno, das will hier keiner hören”. Interessant, und Du weisst das jetzt woher? Natürlich, Du weisst schon vorher welche Leute heute kommen. Die “Kommerzigen” eben… Wenn mann dann der Kreativität und Abwechslung wegen ACDC in einen Housesong mixt und danach wieder auf Hip Hop wechselt, darf man sich dumm anmachen lassen, was denn der Ü30 Mist jetzt soll…. Egal, ob die Leute tanzen oder nicht. Da kann einem schonmal ein Lied, das ein leichter Popsong ist, vom Chef als Sommerhit des Jahres verkauft werden, auch, wenn der Chef noch nichtmal den Interpreten weiss, aber der Radiomoderator hat das ja gesagt.

Aber was für den einen House ist, ist für den andren ja schon wieder Electro oder Techno. Manch einer beschwert sich bei “The Time” von den Black Eyed Peas über zu viel House… Da ist es kein Wunder, dass man, wenn man das spielt, wovon man selber glaubt, es sei House und nicht zu hart und würde zum Laden passen (nicht zu den Leuten, das ist egal, denn die sollen sich brav anpassen), nachher vom Chef eine auf den Deckel bekommt, weil man Techno oder “Kommerz” (das scheint eine neue Richtung zu sein) gespielt hat. Die Wahrnehmung und Einordnung der Musikrichtungen ist inzwischen leider viel zu subjektiv und die Ansagen der Clubbetreiber viel zu waschig – “Wir brauchen den XY Style, den gibts nur hier, weil wir sind einzigartig und jeder DJ muss das draufhaben… Das was Du spielst ist schon okay, nur spiel es anders….” – Wie bitte? Okay ich werde, anstatt auf PLAY mal auf CUE drücken, wenn Dich das glücklich macht. Früher war es egal, ob hart, zart, pumpend, melodisch, kommerziell erfolgreich oder gebootlegt, alles ist verschmolzen, und es wäre sehr erleichternd, wenn man sich darauf zurückbesinnen könnte, für den DJ und für die Gäste gleichermassen. Der DJ macht Musik, der Barkeeper verkauft Getränke, der Chef macht Kohle und zahlt, so war das früher. Heute sind alle Barkeeper eigentlich unterbezahlte Musikkritiker und alle Chefs denken, sie könnten den Laden alleine besser schmeissen. Schuster, bleib bei Deinen Leisten….

Denn was hört man denn in jedem Club? Die DJ Playlist Top 100, die VIVA Klingelton Charts und ein wenig Beatport Zeug. Aber die interessanten Sachen bleiben im Case, denn was der Bauer nicht kennt frisst er nicht. Ausser es wird ein musikalisches Thema zitiert, sprich, man spielt eine Coverversion. Wenn ich für jedes mal, als eine Originalversion lief, von der es ein 2011er Cover gibt, für den Satz “spiel doch mal das Original” 50 Cent bekommen hätte, wäre ich jetzt garantiert irgendwo am Meer…. Ich mache den Leuten keinen Vorwurf, denn sie waren grad 2 Jahre alt, als das Original rausgekommen ist, aber dass man die Tatsache, dass ein Refrain-Loop und ein fetter Bass mit 100%iger Sicherheit eher die neue Groove Coverage als die Originalversion ist, nicht erkennt, ist leider musikalisches Desinteresse oder Unvermögen.

Ich wünsche mir, dass die Clubszene wieder offener wird für Musikwechsel, Vielfalt und musikalische Stilrichtungen jenseits von Autoscooter-Beschallung, denn dann wären die sogenannten “Großraum-Diskotheken” endlich wieder das, wofür sie so bekannt wurden: Großer Raum für ein großes Musikspektrum, nicht auf die Quadratmeterzahl beschränkt.

Share and Enjoy: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Ask
  • email
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Live-MSN
  • MySpace
  • Technorati
  • TwitThis
  • YahooMyWeb

1 Kommentar zu „Großraum für Musik“

  • take-off sagt:

    Ein wahres Wort das du da sprichst! Ich hoffe das sich die “Generation VIVA” endlich mal mit Musik beschäftigt und nicht weiterhin einen “Crazy Frog” oder einen “besoffenen Elch” und alle deren Freunde wahrer, echter und guter (alter) Clubmusik vorzieht! Wenn das mit der Jamba Mafia so weiter geht, kann man demnächst auch einen TV hinter das Pult stellen und ihn laufen lassen! Gott sei Dank gibt es noch (leider nur noch einen kleinen Teil) von Club Besuchern die Musik zu schätzen wissen und sich über jede nicht gecoverte Version freuen! LG Döna!

Kommentieren

*
To prove you're a person (not a spam script), type the security text shown in the picture. Click here to regenerate some new text.
Click to hear an audio file of the anti-spam word

TWITTER FEED
Seite durchsuchen
Statistik
Heute: 7
Gesamt: 6111
Online: 0
Nutzer Menü

TERMINE

MAI 2012

Samstag - 5.5. - Collage
Freitag - 11.5. - Collage
Samstag - 12.5. - John's
Freitag - 18.5. - John's
Freitag - 25.5. - John's
Samstag - 26.5. - Collage
Pfingstsonntag - 27.5. - John's