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Ein musikalischer Seelenstriptease – Gedanken über eine Muße, einen Kickstart und einen Abend in München

Jeder braucht eine Muße – keiner weiss wer es ist, aber man hat eine Erfahrung im Leben da knallt es und es öffnen sich geistige Türen, die einem so viele neue Wege bereiten, dass man sich schnell verlaiufen kann. Der Grund, dass der Schalter bei mir umgelegt wurde, war die Erfahrung eines Live-DJ-Sets in München damals im KW als ich 16 war und ich war total geflasht – Der Schalter war umgelegt, seitdem läuft mein kreatives Kraftwerk nur durch mich und ich bestimme selbst, was es produziert, wann und wie oft es das tut. Der “Pförtner”, der diese Türe bei mir geöffnet hat, war kein geringerer als Paul Van Dyk. 

 

 

Mein jetziger Sound ist genremässig nichtmehr derselbe wie seiner, seiner hat sich aber parallel zu meinem ebenfalls weiterentwickelt, komischer weise in die selbe Richtung, aber das ist mir erst in den letzten 6 Monaten augefallen. Mein Sound ist langsamer, mal melodischer oder mal reduzierter – seiner war 1996 sowas von cheesy trancig aber genau diese Emotionen, die er durch diese Melodien rübergebracht hat, waren das, was mich so umgehauen hat. Nach diesem einen Song, den ich gleich enthülle, kamen Songs wie “Cowgirl” von Underworld, “My Lexicon” von Sander Kleinenberg – ebenfalls totale emotionale Knaller mit einer simplen Melodie. Und bis heute habe ich es nicht geschafft, eine Melodie zu schreiben, die mich so umhaut wie die von “For An Angel” – und das hat Herr Van Dyk für seine Frau geschrieben, also ist diese kleine simple Melodie quasi im positiven Sinne überladen mit Emotionen.

Emotionen sind alles, sogar im (nennen wir es mal) Techno (Trance, House, Elektro, DubStep, Garage, Progressive, Minimal – whatever). Und da ich diese Melodie noch nicht geschrieben habe, diesen einen Synthesizer noch nicht gefunden habe und daher diesen einen Song noch nicht produziert habe, treibt mich der Wunsch und die Suche danach immer mehr an, macht mich fast wahnsinnig. Ich denke an meine Freunde und meine Frau – und mir fallen so viele Melodien ein, von dunkel und düster bis happy und total überdreht, alles schöne Melodien die wichtig sind, aber es fällt mir keine ein, die so einfach und dennoch so wirkungsvoll ist, und beim Hören dieses eine krasse “ja leck mich doch am Arsch was is denn jetzt passiert”-Gefühl auslöst. Das macht aber die anderen Melodien in meinem Leben nicht weniger bedeutungsvoll. Daher nehme ich nun Paul Van Dyk als meinen “Kickstarter” an, alle meine Freunde und meine Frau als Wegbegleiter und als Weiterntwicklung meines Lebens (=meines Sounds) und irgendwann kommt sie – diese eine Melodie – ausgelöst durch das eine Gefühl, dass man nur mit einer Melodie beschreiben kann.

Dann bin ich am Ziel. Und ich hoffe, das dauert noch, denn die Zwischenergebnisse sind auch recht geil Der “Kickstarter” ist genau das was der Name besagt – diese eine Initialzündung, die erste Muße, egal, ob erfolgreich und berühmt oder total unbekannt oder was auch immer. Man geht seinen Weg, nimmt die Zwischenergebnisse mit, entwickelt sich weiter. Der “Kickstarter” mag da eine Tür von vielen geöffnet haben, eine sehr wichtige sogar, aber er hat sie eben nur geöffnet, hindurchgehen muss man selber und das, was hinter der Türe ist und aus dem eigenen kreativen Kraftwerk kommt, kann man nur selber bestimmen, denn der “Kickstarter” hat da nichts mehr zu suchen. Sicher kann man sich ab und zu an ihn erinnern, egal, ob gut oder schlecht, aber er sollte nicht das prägen, was hinter der Türe ist. Man fährt ja auch nicht mit einem angeschlossenen Starterkabel ein Grand Prix Rennen.

Somit is das Thema der Muße und was die Muße muss ein leidiges – denn wenn man diesen Kickstart mal erlebt hat, weiss man es genau, es ändert  sich alles. Seit 1996 habe ich schon an so vielen Orten aufgelegt, mich musikalisch weiterentwickelt vom Dorf-DJ zum Produzenten und Remixer mit eigenen Veröffentlichungen und meinen musikalischen Horizont um ein vielfaches erweitert.

“Muße” ist vielleicht ein etwas starkes Wort in Verbindung mit Paul Van Dyk – ich bin nicht Karl Lagerfeld und er ist nicht Claudia Schiffer – aber ich gebe ihm diesen “Wow”-Bonus, denn bis jetzt hat noch keine musikalische Erfahrung so eine Wirkung hinterlassen. Zu sehen, wie bei diesem einen Song alle, wirklich jeder einzelne in dieser Halle (dem KW) exakt gefühlt hat, was für ein Gefühl diese Melodie auslösen soll und es auch schafft. Und das von jemanden, den sie nur aus Zeitschriften oder von CDs kennen und der durch das Spielen dieses Songs einen so krassen Seelenstriptease hingelegt hat und es ihm schlichtweg egal war, dass er sich komplett öffnet und verwundbar macht (in anbetracht des Hintergrundes, für wen er diesen Song geschrieben hat und welche Emotionen er da hineinproduziert hat), das war das beeindruckendste musikalische Erlebnis, bei dem sich eine Person, die in der Öffentlichkeit steht und immer kritisch betrachtet wird, so seelisch ausgezogen hat. Und es hat ihn keiner verletzt, obwohl er für 7 Minuten total verwundbar war, da alle wussten, dass jetzt in diesem Moment alles perfekt war – happy, verliebt, glücklich, euphorisch, voller Vorfreude auf das was noch kommt und das alles auf einmal. Jeder hat genau das gefühlt, was er gefühlt hat und was er mit dieser Melodie ausdrücken will.

Und es ist schön zu sehen, dass es viele Künstler gibt, die es anscheinend geschafft haben, diese eine Melodie zu schreiben, die dann vielleicht nicht den Künstler selber so knallhart umhaut, aber mich und viele viele andere. Und sie schaffen es, dass man durch diese Melodie einen kurzen Einblick in das Leben des Künstlers kriegt, was kreativ in seinem Kraftwerk abgeht und welche Gefühle er in der Zeit des Produzierens durchlaufen ist, und das macht das Erlebnis des Songs noch intensiver und persönlicher. Das zeigt mir, dass es möglich ist und mein Weg noch nicht zu Ende ist.

Life is Sound – Kickstart your life and make it sound great!

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