PostHeaderIcon Flyer vs Gesichtsbuch

Ach ja was waren das noch für Zeiten, in denen man sich für eine Veranstaltung werbetechnisch ins Zeug legen musste. Man musste nämlich Plakate und Flyer entwerfen, und das in nicht allzu geringer Stückzahl.

Es gab einmal die Zeit, da wurden einem Unmengen davon auf der Strasse in der Fussgängerzone in die Hand gedrückt, so dass man schon fast nichtmehr wusste, wohin damit. Jeder bunter und abgedrehter als der andere oder – wenn man auffallen wollte – minimalistisch und mit nur so viel Info wie nötig, um das gewisse Geheimnisvolle zu wahren und somit das Interesse zu wecken. Auf manchen waren sogar Bastelanleitungen zu finden, damit man wusste, dass dieser Flyer auch noch verwendbar ist, wenn man ihn gelesen hatte (Papierflieger gefällig?). Heute findet man sowas leider nur noch auf Sammlerbörsen. Aber warum? Es war doch nie billiger als heute, sich online 1000 Flyer drucken zu lassen. Warum also macht das keiner mehr ?

Was ist passiert mit den illegal hinter Scheibenwischern angebrachten kleinen Infoblättchen, wo sind die Poster auf den Stromkästen und an den Bäumen hingekommen? Hat das nicht auch den Charme einer Veranstaltung ausgemacht – das Fylerdesign? Es soll Leute geben, ja sogar ganze Agenturen, die damit nicht wenig Geld verdient haben. Selbst im Club gibt es nur noch Slideshows auf Flatscreens anstatt das geliebte A1 Plakat auf der Toilette, das man zum hundertsen Mal beim Pinkeln gelesen hat.

Heutzutage werden vielleicht noch 100 Flyer und 1 Poster gedruckt, vielleicht schreit einem noch die nächste Scheunenfete als schwarze Schrift auf neongelbem Untergrund von irgendeinem Schuppen entgegen, denn der Focus hat sich verschoben. Jeder macht jetzt interaktive Online Werbung – auf Facebook. Gefällt mir? Like? Freunde einladen? Veranstaltung teilen? Aber klar, ist ja alles nur ein Mausklick.

Rechnen wir doch einmal, wie Moses im aktuellen FazeMag:
Jeder von uns hat im Schnitt 130 Facebookfreunde, mal der Maximalanzahl von 5000 Freunden, die man haben kann, ergibt eine erreichbare Menschenmenge von 650.000 Leuten. Um die Maximalanzahl kümmern sich sogenannte „Bots“, der jedem in unmittelbarer Nähe mal eine Freundschaftsanfrage schickt und die, die sie annehmen und deren Freunde gleich mal zu der Veranstaltung einlädt. Bis Facebook es merkt und dem ganzen einen Riegel vorschiebt. Aber gesehen werden kann ja leider nur der, der Geld bezahlt, und daher verdient – an Stelle von der Druckerei, dem Flyerversand, den Verteilern und der Agentur, die den Flyer designt hat, jetzt…. – Facebook. Und zwar nur Facebook.

Natürlich ist so eine papierlose Werbung grossartig für die Umwelt, der Regenwald kann aufatmen, denn die Werbung zum anfassen hat ihren Reiz verloren. Denn in jeder Hosentasche und in jedem Wohnzimmer breitet sich die blaue Malaria aus, sei es auf dem Handy, dem „Phablet“, dem Tablet, auf der Spielekonsole, auf dem Smart TV, dem Laptop oder sonstwo –  überall ist man sozial online und vernetzt und man weiss teilweise schon gar nicht mehr, was man zuerst teilen/liken/sharen/blocken oder sonstwie breittreten soll. Veranstalter gründen fix eine Seite für eine Veranstaltung, von der sie noch nicht einmal wissen, ob sie ein weiteres mal stattfindet. Macht aber nichts, kann man ja wieder löschen. Und das führt dazu, dass viele den Überblick in dem ganzen digitalen Overkill verlieren und es ihnen irgendwann wieder egal wird, weil es schlicht ind ergreifend zu anstrengend ist und fast schon in einen Nebenjob ausartet, sein Facebook Konto zu „verwalten“.

Aber irgendwie ist es doch das selbe wie mit den Schallplatten und den Mixtapes: Entziehen kann man sich der Digitalisierung nicht, aber man sollte sich ihr auch nicht ganz hingeben. Einige Veranstalter bestellen wieder merklich mehr kleiner Infoblätter, die nach dem Lesen als Papierflieger und Zigarettenfilter dienen können und hier und da findet man wieder schön gemachte Poster, die an Werbefassaden gekleistert wurden und somit ein wenig Farbe ins Ortsbild bringen. Und irgendwann kann sich ein Laden auch wieder durch sein Logo auf einem Poster ins Gespräch bringen, und nicht nur durch die Anzahl der Likes in der blauen Gesichtsbuch-Pest.

Lang lebe die Revolution….

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