PostHeaderIcon Musik als Integrationshilfe?

Ja ich gebe es zu… Eigentlich bin ich ein verkappter Markus Lanz Fan. Nicht wegen Wetten Dass, denn das habe ich nicht verfolgt, und das ist sein Hobby, nicht mein Problem. Eher wegen seiner Talkshow. Er stellt die richtigen Fragen und hat keine Angst, sich ne Retourkutsche einzufangen. Am liebsten habe ich es, wenn dazu noch die Gästekombination stimmt. Und bei der unten verlinkten Sendung war das der Fall. Maffay, Bushido, Sido… Gegen den Rest des Studios (fast). Ich bin kein Fan (im eigentlichen Sinne) von einem der drei, Maffay macht anständigen, druckvollen Rock mit deutschen Texten, bei den anderen beiden stosse ich teilweise an meine Grenzen was die Texte angeht (ich glaube nicht, auch wenn es laut Song sein Wunsch ist, dass meine Mutter gern von Bushido gefickt werden würde, denn ich bin überzeugt, er ist nicht ansatzweise ihr Typ), aber – um es im hippen Musikerslang zu sagen – seine Beats sind fett, seine Hooks sind catchy, seine Texte haben Flow, und das kann nicht wegdiskutiert werden, von einer eher technischen und künstlerischen Seite gesehen. Auch das wird hier thematisiert.

Eine Diskussion, wie zur Hölle Peter Maffay denn mit „Herrn Bushido“ einen Song machen konnte, mit diesem schwulen- und frauenfeindlichen Gangster-Rapper, die in einem Fast-Resozialisierungsprogramm für Hip Hopper mit Migrationshintergrund gipfelt, die 10 Jahre alte Songtexte als Argumente präsentiert und den Mensch mit der Kunst – seiner Musik und den darin enthaltenen Texten – gleichsetzt, aber trotzdem doch noch ein versöhnliches Ende nimmt, was Frau Dekker (keine Ahnung ob das richtig buchstabiert ist) jedoch während der Sendung – wahrscheinlich absichtlich und provokativ bewusst – nicht immer angestrebt hat. Aber hier geht es um ein wichtiges Thema: Sollte man einen Menschen, der vor wie lange auch immer was auch immer für Scheisse gebaut hat, in einem persönlichen Gespräch (oder einer Diskussionsrunde oder bei einer Dankesrede…), in dem/der er sagt „das war ein Fehler, das habe ich eingesehen, das würde ich nie wieder machen“ trotzdem noch auf diese Fehler reduzieren und ihn danach beurteilen, oder sollte man jedem die Chance geben, einem zumindest das Gegenteil zu beweisen? (Auch ohne dass er einen Bambi – was ja auch angeblich ein nicht allzu wichtiger Preis ist – für Integration bekommen hat).

Zeit für eine Diskussion wie ich finde, und anstatt sich lustige Katzenvideos anzuschauen oder den hundertsten DJ-Fail, kann man vielleicht mal eine Stunde hierfür aufbringen, denn ich hab das ohne einmal vorzuspulen am Stück gesehen und mich nicht eine Minute gelangweilt. Das TV braucht mehr solche Diskussionen (gerne auch mit Serdar Somuncu über Hitlers „Mein Kampf“ – sehr zu empfehlen), anstatt noch ne Bachelorette die eigentlich nur aus 20 Typen auswählt, wer sie am Ende flachlegen darf (obwohl das natürlich eine wichtige Entscheidung ist)…. Ich zumindest habe etwas zum Nachdenken gefunden, und ja, es kam eher von Peter Maffay, Sido und Bushido als von einem Philosoph oder einer Komikerin, die jetzt ein Altenheim für schwule Senioren eröffnet hat. Die Sendung ist übrigens von 2011, und in 2014 stehen wir immer noch vor den selben Problemen. Ich jedenfalls sollte einigen Menschen mit einer anderen Einstellung als bisher gegenübertreten, wenn ich mir an die eigene Nase fassen würde.

 

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