PostHeaderIcon The Quiet Hole

Ja da war sie wieder, die ruhige Zeit. Also eigentlich ja nicht…

Einer meiner Stammclubs hat zugemacht, in dem Gebäude hat ein neuer Club eröffnet, im anderen habe ich eine kreative Pause eingelegt (wenn man von den Songs, die man spielt, genervt ist, sollte man mal Pause machen). Das heisst aber nicht, dass ich musikalisch untätig war. Wer meine Künstlerseite auf Facebook verfolgt weiss, dass ich permanent nach neuer Musik suche und sie gerne mit der Welt teile. Und manchmal hat man sogar etwas Zeit, neben dem zwanzigsten Umschreiben der Tracklist für den neuen #PUZZLECAST, ein wenig eigene Musik zu machen, genauer gesagt, 7 (!!) Tracks in 6 Wochen. Wenn es läuft, dann läuft es.

Da diese Tracks voll mit klitzekleinen Samples sind, die das Soundcloud Copyright System ja so gar nicht mag, habe ich mich entschlossen, alle 7 Tracks via Dropbox zum freien Download abzugeben. Insgesamt sind es 2 „Päckchen“, die „Explorer EP“ und die „Birth EP“. Explorer ist sehr spacig angehaucht, mit Audiosequenzen von Liveübertragungen der NASA, flächigen spacigen Sounds, Melodien und viel Raum. Die „Birth EP“ hingegen widmet sich komplett dem 3.1.2012. Wer mich kennt, weiss, worum es geht. Alle anderen haben gleich die Gelegenheit, sich die Tracks komplett anzuhören und gerne auch zu spielen.

BIRTH EP: DOWNLOAD

EXPLORER EP: DOWNLOAD

PostHeaderIcon Viel Arbeit, wenig Zeit

Immer wieder zum Jahresende schaut man zurück. Meistens unfreiwillig. So wie ich heute, als ich mir dachte, ich aktualisiere mal meine Charts und gesehen habe, dass der letzte Eintrag 1 1/2 Jahre alt ist! So schnell vergeht die Zeit!

Aber ich glaube, die Charts für November/Dezember spiegeln gut wider, wie sich mein Sound über diese Zeit entwickelt hat. Hört Euch die Tracks einfach mal an, ihr werdet nicht enttäuscht!

Ausserdem kommen bis zum Jahresende eine neue entspannte „BACK2MINE“ für den besinnlichen elektronischen Jahresausklang und für die, die sich gerne ins neue Jahr grooven, ein aktueller #PUZZLECAST zum Jahresende mit meinen Favoriten von 2016.

Es gibt viel zu tun, packen wir’s an!

PostHeaderIcon Das Sterben des Nachtlebens

Das Ende ist nahe …Die stillen Zeugen heimlicher Küsse, Beziehungsdramen, neuentstehender Freund- und Liebschaften, Geburtstagsfeiern, kaum sichtbarer oder übertriebenen Tanzbewegungen – sie sterben aus. Teilweise über Jahrzehnte hinweg trotzten Diskotheken allen Widrigkeiten, allen Krisen, allen Katastrophen. Doch die selbsternannte Generation „Party Hard“ schafft es, diesen Legenden den Saft abzudrehen. Abgesägt sind bereits die Großraumdiscos. Die Gelddruckmaschinen von einst sind heute nicht mehr als eine verfallende Fotokulisse mit ein paar tausend Quadratmetern. Vor zwei Jahren meldeten mehr als 60 dieser Drucktempel Konkurs an. Im Jahr darauf stieg die Zahl noch einmal um über 50% mehr an. Natürlich gibt es noch vereinzelt diese Megaparks, die es mit verschiedenen Areas schaffen, ein breites Publikum zu gewinnen. Sie sind die kleine Widerstandstruppe in einer Welt aus gemauerten Zombies, die in Untoten-Manier – innerlich leer, äußerlich verrottet – stets daran erinnern: du könntest bald einer von uns sein … Geschäftsmänner, Insider, Herzblut-Betreiber, die über Generationen hinweg ihre Stammkunden jedes Wochenende zum Abfeiern locken konnten, stehen vor dem gesellschaftlichen Nichts. Haus und Hof teilweise längst überschrieben und klammern sich an den noch so kleinsten Cocktail-Strohhalm. Wie? Und warum? Was ist passiert? Im Kampf, die Attraktivität ihrer Lebensgrundlage oben zu halten, bieten sie den Menschen immer mehr an – und schaufeln dabei immer mehr ihr eigenes Grab. Und was die Gäste selber nicht kapieren: sie schaufeln fleißig mit um am Ende selbst mit reinzufallen. Das Nachtleben arbeitet gerade am Nachtsterben.

Respektlos durch die Nacht?

In den ländlichen Bereichen ist es schon normal. Das alte Gebäude da drüben? Das war mal ne Disse … Die stets belächelte „Bauerndisco“ konnte Freitag- und Samstagabends auf die Gäste auf dem eigenen und den umliegenden Kaffs bauen. Sonntags Jugenddisco. Passt. Kohle verdient, Rechnungen bezahlt. Irgendwann aber stieg auch die Mobilität der Führerscheinlosen. Irgendein Papa brachte Kind und Kumpels in die nächste Stadt, der große Bruder wurde 18, Sammeltaxis und Discobusse brachten die Dorfkinder weg vom altbekannten in die Lichter der Kleinstadt. Früher gaben sich auch die Clubs noch entspannter an der Tür. „Du bist erst 16? Kein Problem, aber um Mitternacht biste raus, klar?“ Man wollte ja wieder kommen, also war man auch um zwölf Uhr wieder weg. Man hatte noch Respekt vor Autoritäten. Nicht Angst. Respekt. Etwas, was jede 15jährige Hühnerbrust heute von alles und jedem einfordert, ohne selbst in der Lage zu sein, davon etwas zu zeigen. Irgendwann wurde es eben Mode, Kinder für jeden Mist zu loben. Die Folge: der Nachwuchs fühlt sich inzwischen schon als Übermensch, weil er fehlerfrei seine Schuhe binden konnte und führt sich dann auf wie sein sagenumwobenes Gangster-Image-Idol. Behandelt sie der Türsteher aber dann ihrem Verhalten entsprechend, laufen sie zum Papa, der den Anwalt einschaltet.

Wie oft haben wir früher Scheiße gebaut? Was haben unsere Eltern gesagt, wenn wir auf die Zwölf bekamen? „Hast es ja wohl dann verdient …“ Stimmt. Liebe Security da draußen. Wenn ihr zu fünft auf einen Betrunkenen einprügelt, weil er – Überraschung – etwas zu viel getrunken hat und seine Grenzen nicht mehr kannte, dann ist das Asi. Wenn ihr einem Teen-Proll, der gerade einmal geradeaus pissen kann, eine anständige Ohrfeige verpasst, nachdem er mit Beleidigungen und Gläsern um sich geworfen hat, weil ihm seine mitgebrachte Billig-Wodkaflasche abgenommen wurde: hey, ich hab nix gesehen. Versprochen. Wobei sich das Verhalten und damit das Ansehen der Türsteher im Allgemeinen ja auch zum positiven verändert hat. Sie werden nicht mehr als die einsilbrigen Möchtegern-Navy-Seals angesehen sondern als die Leute, die für Sicherheit sorgen und Frauen zum Auto bringen, wenn ihnen unwohl ist. Natürlich gibt es noch die zahnlosen Ersatzschläger der Marke „CheapSecurity24.de“, die aber ohnehin bald selbst dafür sorgen, dass ihr Auftraggeber verschwindet. Die Website ist übrigens fiktiv. Hoffe ich zumindest.

Doch nun weiter im Text. Natürlich bringen schleichende Preiserhöhungen bei Strom & Co. die Sorgenfalten auf die Betreiberstirn. Aber der Gast zahlt für sein Bier auch problemlos 3,50 Euro statt 3,- Euro. Zumindest die meisten. Beim Rest ist eh Hopfen und Malz verloren. Doch nun kommen wir zu einem Giganten, der – vermutlich ohne es zu wissen – die geschliffene Klinge federführend an den Hals des pulsierenden Nachtlebens gebracht hat. Ladies and Gentlemen, ich präsentiere ihnen den größten Feind des sozialen Lebens: Facebook.

Klingonisch, ist aber so. das Böse hat damit einen Namen und niemand hatte es am Schirm. Doch es ist da. Du zweifelst? Nun … ich hoffe mal, du gehörst zu der Generation, die noch vor 2006 gelernt hat wegzugehen. Erinnere dich mal daran, warum dich damals nichts in den eigenen vier Wänden halten konnte. Du kennst das Gefühl noch: Günni war bis vorgestern in Australien, was er da wohl erlebt hat. Lisa hat sich von ihrem Freund getrennt, jetzt muss ich mich mal ranhalten. Hat sich Tom jetzt dieses Bike gekauft? Ob die Kleine von letzter Woche wieder da ist? Bla bla bla …

Es gab eine große Motivation: sehen und gesehen werden, sich auf den neuesten Stand bringen, Leute kennen lernen, Freunde treffen – kurz und neudeutsch: socialn. Na? An welche Website erinnert dich das? Facebook – und alles was sie aufkaufen – hat uns diese Motivation genommen.

Sehen und gesehen werden? Okay … einloggen.

Auf den neuesten Stand kommen? App öffnen.

Leute kennen lernen? PN schicken.

Freunde treffen? Kommentieren.

Es wurde uns alles genommen. Wir können alles, was uns damals zum Abfeiern als Grundlage diente, 24/7 vom Bahnhofsscheißhaus aus erledigen. Handy raus, App öffnen, liken, schließen, runter spülen.

Die Generation der Schisser? Und vergesst nicht, ihr sprecht eine Generation an, die für Musik und Filme nichts mehr bezahlen möchte. Wer alle drei Lieder eine Werbeunterbrechung akzeptiert um kostenlos auf Spotify seine Lieder zu hören und Kinofilme in Vierfach-kopierter-VHS-Qualität okay findet … hey … sollen das eure Retter sein?
Wer an meinen Worten zweifelt, für den habe ich ein ganz simples Gedankenspiel: stell dir einfach vor, von heute auf morgen würden alle wichtigen Webserver unwiderruflich abstürzen. Nur mal so als utopische Phantasie. Was glaubst du, wie es nach zwei Wochen in den Clubs aussehen würde? Wir hätten alle Freudentränen in den Augen. Darauf verwette ich alles. Und flirten wird wieder ein Nervenspiel. Nix da, den Kumpel fragen ob er die Kleine an der Theke auf seiner FL hat um sie dann per PN anzuschreiben und im RL etwas auszumachen (Gott, ich hasse diese Abkürzungen). Nein, dann heißt es mal wirklich wieder Eier zeigen und hingehen, ansprechen, antanzen, einen Drink ausgeben, ins Kino verabreden, Körbe einfangen, Schmetterlinge im Bauch haben. Wer kennt das noch im Zeitalter des Addens? In der pursten Form von einst: Face to face. Aber was machen die Discobetreiber? Kostenloses W-Lan anbieten. Die supergeilen „Partyprofis“ halten ihre verpickelte iFresse ja noch nicht intensiv in ihr iHandy. Da kann ja nur Stimmung aufkommen. „Kennste das Bild da auf Instagram? Voll lustig.“ Wenn ich dir dein Smartphone zwischen die Augenramme, DAS wäre voll lustig.

Der nächste Hirnfick der Eventsucher sind Smart-DJs. Kennste nicht? Sei froh! Per App wird innerhalb des Clubs von den Besuchern entschieden, welcher Song als nächstes aus den Boxen dröhnen darf. Ein Garant für volle Tanzflächen? Vergiss es. Schließlich muss ja auch der nächste Song geil sein. Und der nächste. Mittendrin und nicht dabei. Abgesehen davon, dass der DJ zur Musikbox wird. Wer sich so etwas in seinen Tanztempel stellt, der hat damals auch Bubble Tea angeboten, oder? Was ging denn da in euren Gehirnen ab? „Hey, ich hab da ein abscheuliches Getränk, mit dem ich alle Besoffenen zusätzlich mit kleinen Kügelchen und Strohhalmen ausstatte. Das KANN ja nur gut ausgehen!“ Irgendwie so muss der Gedankengang gewesen sein … Alles darf, nix muss.

Ihr habt ja lange durchgehalten. Respekt. Nun wollt ihr von mir die ultimative Lösung zur Rettung der nächtlichen Kultur, oder? Tja, wenn das so einfach wäre. Es wäre schon mal ein Anfang, wenn die Gäste eines Clubs mal wieder in ihre Schranken gewiesen werden. Vor allem die, der jüngsten Generation. Ich weiß, ich klinge wie so ein „früher war alles besser“-Spasti, aber früher gab es fast die gleichen Probleme in anderem Gewand. Aktuell sind nur ein-zwei hinzugekommen. #neuland. Aber die Neupartykönige, die sich wie die geilsten fühlen, weil sie ne Flasche Wodka für 15 Euro gekauft haben (Uii!) müssen mal wieder kapieren, dass sie kein RECHT darauf haben, in dem Club zu sein. Sie haben kein Recht darauf, dass der Türsteher den/die Ex rauswirft, sie haben kein Recht darauf als erster bedient zu werden, kein Recht darauf, dass der Chef auch den betrunkenen Kumpel mit rein lässt, kein Recht darauf mit 16 reinzugehen, kein Recht darauf, dass der Barkeeper den Drink stärker macht als sonst, kein Recht darauf, dass der DJ die gleiche scheiß Nummer 20x am Abend spielt. Genau das glauben aber offenbar viele.
Ihr habt die unermessliche Gnade der verantwortlichen Person, wenn ihr etwas bekommt, was nicht alle so bekommen. Mehr nicht. Also verhaltet euch entsprechend. Mit dem Fünfer an der Kasse hast keiner den Laden gekauft. Selbes gilt für die Mitarbeiter. Untereinander, gegenüber den Chef-Ansagen, gegenüber dem Gast. Auch wenn er der Neue deiner Ex ist: der Drink wird genauso gemacht, wie bei den anderen. Auch wenn sie dir fremdgegangen ist: sie darf in den Club, wenn es sonst keine Gründe gibt. Ach ja, liebe DJ. Dezibel machen die Übergänge auch nicht geiler. Die Leute sollen sich noch unterhalten können.

You’ve got the power!

Und liebe Nachtschwärmer: die 50 Cent Trinkgeld bringen euch nicht um. Und regt euch nicht über 16jährige auf, wenn ihr selber erst 18 seid. Das ist lächerlich. Gastronomen und Clubbetreiber sitzen stundenlang zusammen um euch etwas zu bieten. Wenn es euch nicht gefällt: okay. Ist ja kein Beinbruch. Wem’s gefällt, der wird kommen. Aber erspart euch euren geistigen Dünnschiss als Facebook-Kommentar unter den Veranstaltungen. Wenn ihr einen Club nicht mögt, dann ignoriert ihn und macht keine Hetzkampagne. Denn was wäre, wenn das alle machen? Dann steht ihr in einer ausgestorbenen Stadt und müsst aus Mangel an Alternativen das nehmen, was kommt. Oder glaub ihr echt, ein Stadtrat ist geil darauf, Clubs zu retten? Die deutliche Mehrheit der Wähler sind 35+. Wem wird er da wohl in die Hände spielen?

Und zuletzt noch: liebe Clubbetreiber. Wenn es schon 4 Discos mit dem gleichen Stil in einer Kleinstadt gibt, dann werdet nicht der Fünfte. Das funktioniert 1-2 Jahre und dann „ist es eh überall das gleiche“. Und ihr könnt zusehen, wie die Leute in Autos steigen und in anderen Städten das Geld ausgeben. Ich bin seit bald 20 Jahren im Nachtleben tätig. Und ich glaube fest daran, dass jede Generation ihre Abstürze, ihre Partys, ihre Fehltritte, ihre Dummheiten und ihre gemeinsame Zeit braucht. Und an keinem anderen Ort kann das besser ausgelebt werden, als in den Clubs und Discos.

Seid keine Arschlöcher. Rettet die Nacht. Wenn es einer kann – dann ihr.

P.S.: Vorglühen ist für Amateure.

PostHeaderIcon Summer Goodie

Es wird Sommer. Endlich. Langsam aber stetig wird es wärmer, sonniger und die Musik wird wieder fröhlicher und grooviger. Aber auch „ruhigere“ Tracks finden immer mehr Platz in den DJ Sets. Hier ist ein kleines Sommerpräsent für Euch alle, mein sonniger Edit von dem grandiosen „Warm Wind Brewing“ von Yse Saint Laur’ant. Happy Sunshine !

Und als zweites sommerliches Geschenk hier mein Extended Bootleg von Hayden James „Something About You“. Auf in den Sommer !

PostHeaderIcon A Night To Remember

Wenn man so Woche für Woche durch die Städte und Clubs dieser Welt zieht, dann begegnen einem schon die komischsten Leute. In letzter Zeit wurde ich immer mal wieder gefragt, wie ich mir das „perfekte Publikum“ vorstelle. Na klar, die Antwort ist eigentlich leicht: geil wäre es, wenn die Bude aus allen Nähten platzt, wenn alle kollektiv ausrasten würden und sich jeder lieb hat. Aber natürlich ist das leichter gesagt als getan. Wie also generiert man ein gutes Publikum? Am Einfachsten wahrscheinlich mit dem Ausschlussprinzip: Leute draußen lassen, mit denen keiner zusammen feiern möchte.

Szenenintern unterscheidet man zwischen guten und schlechten Clubs. Das hat meist weniger mit der Einrichtung oder der Anlage zu tun, sondern viel mehr mit dem Image, was ein Club durch sein Publikum bekommt. Betreiben die Clubs am Einlass keine strenge Selektion und lassen die augenscheinlich schwarzen Schafe alle rein – hauptsache sie zahlen Eintritt – dann wendet sich schnell das Blatt der Beliebtheit und innerhalb kürzester Zeit bekommt man von vielen Seiten zugetragen: „spiele dort mal lieber nicht“, denn da wurde wohl sinnbildlich verbrannte Erde hinterlassen. Ich denke jeder von euch weiß genau was ich meine bzw. kennt ein Beispiel aus seinem eigenen Feier-Umfeld.

Es ist ein schmaler Grat: Natürlich freut sich der Veranstalter über jeden zahlenden Gast, aber eine gesunde Selektion ist keine Diskriminierung sondern einfach nur ein völlig normaler Prozess. Und er ist so verdammt wichtig. Diesen einen Schritt zurück zu gehen (auf Geld kurzfristig zu verzichten) bedeutet wiederum zwei Schritte nach vorn zu machen – nämlich die Leute nachhaltig für sich und seine Events zu gewinnen. Denn keiner hat Lust auf pöbelnde Gäste, die sich selbst nur am Nächsten sind. Keiner will Leute im Club haben, die ab einem gewissen Pegel einfach nur noch aggressiv sind und ihre gute Erziehung vergessen (sofern sie eine hatten).

Natürlich spielt das Erscheinungsbild auch eine Rolle, denn weiße Stiefel trägt bekanntlich nur der Sandmann. Genauso fehl am Platze sind Jogginghosen und Fantrikots vom jeweiligen Lieblingsverein. Außer es ist vielleicht gerade WM und es ist cool ein Deutschland-Trikot zu tragen. Coolness hört aber auf, wenn der gerade 18 gewordene Pickel-Peter mit seinem Ultras-Eintracht-Shirt „Euer Hass ist unser Stolz“ vor dem Pult abspackt oder wenn der aufgepumpte Muskel-Mario seine politische Gesinnung unters Volk bringen möchte á la „Wir sind der nationale Widerstand“. Nein, das will kein Mensch im Club sehen. Und auch auf keinem Festival und ach überhaupt: nirgendwo!

Als DJ hast du jede Woche natürlich ein unglaubliches Privileg: du kannst nämlich vergleichen! Und dir selber deinen Teil dazu denken. Zwischen wirklich cool sein und nur einem Trend zu folgen ist halt noch ein großer Graben. Hinter dem Pult bekommst du davon natürlich nicht viel mit, aber dein DJ-Dasein besteht ja nicht nur aus deinen 2 Stunden Playtime sondern aus all dem, was du drumherum aufschnappen kannst.

Aber zurück zum Gig. Ihr alle habt sie schon einmal erlebt. Die typischen Fragen, die jedem DJ begegnen: „Gibst du mir mal meine Jacke?“ – „Kannst du mal auf meine Handtasche aufpassen?“ – “Hast du was zum ziehen?” – „Kann ich auch mal einen Track mixen?“ – „Kannst du mal den zweiten Track von meinem Stick spielen? Das ist mein Lieblingslied!“. Am Fantastischsten sind eigentlich die Leute, die dich einfach voll quatschen während du die Kopfhörer auf den Ohren hast. Ich meine, jedes Kind weiß: wenn man Kopfhörer trägt und Musik hört, dann versteht man nicht viel von seiner Umgebung. Merke: der DJ kann dich nicht verstehen, wenn die Muschel auf dem Ohr sitzt.

Okay, wie bekomme ich jetzt wieder den Bogen zu dem „Gutmenschen“? Ach ja: Feiern kann man am Besten gemeinsam und nicht jeder für sich alleine. So entstehen ja auch die lustigsten und schönsten Kontakte. Aber die aalglatten Leute sind es nicht, die einen im Nachhinein Geschichten erzählen lassen – nein, es sind die schrägen und gleichsam auch sympathischen Vögel, die im Kopf hängen bleiben. Hier mal ein Auszug, wem ich über die Jahre schon begegnet bin:

– Der Saufkumpan: Der Unbekannte, der die Shots ungefragt ans Pult bringt und meint, jetzt mit dir einen trinken zu müssen. Naja okay, ich hab manchmal schon eine kleine Ja-Nein-Schwäche, wirklich kritisch wird es dann allerdings, wenn man zu viel von den kleinen Stoßgetränken durcheinander trinkt. Der nächste Tag lässt grüßen. So sehr ich Katzen liebe, aber Kater sind ganz furchtbar!

– Der Ghetto-Fäustling: Er steht während deines gesamten Sets vor dir und muss in der Zeit mindestens 20 mal mit dir „abfausten“. Okay, zugegebenermaßen: ich mag ihn. Er ist pflegeleicht.

– Der Dauer-Shazamer: „Ey DJ, von der ersten Stunde habe ich fast alle Tracks gefunden, aber welcher war denn das bei Minute 72?“ – „Klar, warte, ich spule nochmal zurück.“

– Der Aus-dem-Takt-Klatscher: Oh ja, der böse Freund vom DJ. Wehe er macht das während eines Breaks und man lässt sich dabei erwischen, auch noch falsch mit zu klatschen. Könnte peinlich werden wenn die Kick wieder einsetzt.

– Der gar-nichts-Blicker: Der ganze Club tobt, schreit, jubelt, pfeift und tanzt sich die Füße wund und dann kommt ER zum Pult: „Ey was du hier spielst ist scheiße, das will doch gar keiner hören. Kannst du nicht mal richtig Techno auflegen???“

– Die Spaßbremse: die Tanzfläche ist voll, alle Arme sind oben, die Kick setzt ein und alle flippen aus. Nur einer nicht. Der Typ mit seinem Smartphone in der Hand, direkt in der Mitte. Vermutlich schreibt er seinen Kumpels gerade „die Party ist scheiße“.

– DJs-best-friend: Er kündigt sich natürlich vorher schon an. Postet auf Facebook das Event und verlinkt den DJ unter seinem privaten Profil, einfach nur um zu zeigen wie cool man ist, weil man den DJ persönlich kennt. Im Club geht’s dann natürlich weiter. Umarmungen als würde man seine Sandkastenliebe nach 20 Jahren das erste Mal wieder treffen. Das ist natürlich auch der Grund, warum man die ganze Nacht HINTER dem Pult feiern muss. Ich find´s ja ganz furchtbar. Vor allem wenn dann im Laufe der Nacht so viele Leute hinter dem Pult stehen, dass dein eigener Bewegungsradius auf die Größe einer Vinyl geschrumpft ist.

– Der neue Sänger am Sternenhimmel: Wehe ein Mikrofon liegt in seiner Nähe. Obacht: ein Live-Act ist keine open-mic-session. Mikro´s haben sowieso eine magische Kraft auf manche Leute. „Meine Freundin hat heute Geburtstag. Kannst du mal ´ne Durchsage machen?“

– Der gut Erzogene: „Entschuldigen Sie bitte, können Sie vielleicht mal etwas RNB spielen?“ – zwei No-Go´s in einem Satz. Erstens bin ich keine Jukebox und spiele mal eben zwischen den aktuellen EDM-Charts die Schunkelrunde und zweitens kenne ich keinen DJ, der im Club gerne gesiezt werden möchte. Aber rechnen wir es der heutigen Jugend einfach mal hoch an, wenn sie der etwas älteren Generation den nötigen Respekt zollen.

– Der großkotzige Manager-Typ. Malen wir ihn mal auf: 40 Jahre oder älter, schmierige Haare, dicker Bauch, Designerbrille, braun gebrannt, dicke Kette, goldene Uhr, Anzug, oberster Hemdknopf offen und schön den grauen Brustwuchs rauswuchern lassen. Schlichtweg der Großkotz, der denkt er könne sich mit Geld alles kaufen. „Junge, hier hast du 50 EUR. Nimm das und spiele jetzt was von den Ärzten oder den Hosen.“ Ja, nee, is klar. Das habe ich über die Jahre schon ein paar Mal erlebt. Manchmal liegt mir auf der Zunge zu antworten: „Also für 100 würde ich es machen“. Vermutlich lege ich mir damit aber dann selber ein Ei.

– Der Voyeur: Er steht irgendwo bewegungslos neben dem Pult. Aber egal was du tust, er beobachtet dich und schaut dir genau auf die Finger. Am Liebsten würde ich manchmal hingehen und sagen „Du kannst den Mund wieder zu machen, ich mixe wirklich. So und nun geh wieder an die Bar und hol dir ne Fassbrause.“

– Der Voyeur 2.0: Er steht meistens direkt neben dir und schaut bei jedem Übergang auf den Player, wie der Track jetzt heißt. Da ich das schon ein paar Mal erlebt habe, habe ich mir angewöhnt, manche Tracks einfach willkürlich umzubenennen. So heißt die Mp3 dann: „DAS GEHT DICH EINEN SCHEISSDRECK AN!!!“. Sein Blick: unbezahlbar!

– Der Durstige: „Hey DJ, verkaufst du auch Getränke?“. Also ja, da war ich wirklich mal sprachlos. Ich habe auf jede dumme Frage meist eine noch viel dümmere Antwort parat, aber diese Frage hat eine völlig neue Qualität erreicht.

– Der überbesorgte Veranstalter: er wiederholt im 5-Minuten-Takt „Es ist so schön, dass du da bist. Brauchst du noch irgendwas?“ Bei manchen hat man auch das Gefühl, sie würden dich nach dem Gig gerne noch ins Hotelzimmer bringen um dich richtig zuzudecken und dir noch ein Gute-Nacht-Lied zu singen. Aber ehrlich gesagt lieber so, als wenn du völlig verloren bist und da stehst wie der letzte Drops. Gerade im Ausland.

Und ja, es gibt sie natürlich auch noch: die Mehrzahl aller Leute. Nämlich die, die einfach nur gemeinsam feiern wollen und ihren Teil zu einer geilen Party beitragen. Die Leute, die den Grundgedanken der Feierkultur verinnerlicht haben und dabei ist es völlig egal ob sie groß oder klein, dünn oder dick, hässlich oder hübsch, schwarz oder weiß sind. „Music is the escape from all the bullshit in life“ und wenn man einen freundlichen und respektvollen Umgang miteiander pflegt, dann kann man auch mal eine „night to remember“ für sich erleben. Ich persönlich habe in diesem Jahr schon ganz viele solcher Nächte erlebt, natürlich auch weil man als DJ selektiert „wo spielst du und wo nicht“. Die schönsten Partys sind im Endeffekt die, wo du dich schon heute darauf freust, irgendwann einmal zurückzukehren.

In diesem Sinne. Habt euch alle lieb und lasst die Frühlingssonne in eure Herzen. (C) Marc De Pulse

PostHeaderIcon Veröffentlichungen 2015 – Runde 1

ENGLISH:
In March there will be 2 compilations out where you can find an exclusive DJ Mix by me! Minimal 2.0 will be out March 27th and Red Sexy Tech House will be out March 20th ! You can find them both in any digital music store and both compilations include an exclusive track by me as well !

GERMAN:
Im März kommen gleich 2 Compilations raus mit einem exklusiven DJ Mix und einem exklusiven Track von mir ! Beide Compilations könnt ihr über jeden digitalen Download Store erwerben. Minimal 2.0 am 27.3. und Red Sexy Tech House am 20.3.

Auf www.olavbelgoe.com könnt ihr Euch mehr Infos über das Label holen und auf http://soundcloud.com/djigsaw gibt’s weiterhin aktuelle DJ Sets von mir.

Red Sexy Tech House 2015 Minimal 2_0 Made in Germany

PostHeaderIcon Flyer vs Gesichtsbuch

Ach ja was waren das noch für Zeiten, in denen man sich für eine Veranstaltung werbetechnisch ins Zeug legen musste. Man musste nämlich Plakate und Flyer entwerfen, und das in nicht allzu geringer Stückzahl.

Es gab einmal die Zeit, da wurden einem Unmengen davon auf der Strasse in der Fussgängerzone in die Hand gedrückt, so dass man schon fast nichtmehr wusste, wohin damit. Jeder bunter und abgedrehter als der andere oder – wenn man auffallen wollte – minimalistisch und mit nur so viel Info wie nötig, um das gewisse Geheimnisvolle zu wahren und somit das Interesse zu wecken. Auf manchen waren sogar Bastelanleitungen zu finden, damit man wusste, dass dieser Flyer auch noch verwendbar ist, wenn man ihn gelesen hatte (Papierflieger gefällig?). Heute findet man sowas leider nur noch auf Sammlerbörsen. Aber warum? Es war doch nie billiger als heute, sich online 1000 Flyer drucken zu lassen. Warum also macht das keiner mehr ?

Was ist passiert mit den illegal hinter Scheibenwischern angebrachten kleinen Infoblättchen, wo sind die Poster auf den Stromkästen und an den Bäumen hingekommen? Hat das nicht auch den Charme einer Veranstaltung ausgemacht – das Fylerdesign? Es soll Leute geben, ja sogar ganze Agenturen, die damit nicht wenig Geld verdient haben. Selbst im Club gibt es nur noch Slideshows auf Flatscreens anstatt das geliebte A1 Plakat auf der Toilette, das man zum hundertsen Mal beim Pinkeln gelesen hat.

Heutzutage werden vielleicht noch 100 Flyer und 1 Poster gedruckt, vielleicht schreit einem noch die nächste Scheunenfete als schwarze Schrift auf neongelbem Untergrund von irgendeinem Schuppen entgegen, denn der Focus hat sich verschoben. Jeder macht jetzt interaktive Online Werbung – auf Facebook. Gefällt mir? Like? Freunde einladen? Veranstaltung teilen? Aber klar, ist ja alles nur ein Mausklick.

Rechnen wir doch einmal, wie Moses im aktuellen FazeMag:
Jeder von uns hat im Schnitt 130 Facebookfreunde, mal der Maximalanzahl von 5000 Freunden, die man haben kann, ergibt eine erreichbare Menschenmenge von 650.000 Leuten. Um die Maximalanzahl kümmern sich sogenannte „Bots“, der jedem in unmittelbarer Nähe mal eine Freundschaftsanfrage schickt und die, die sie annehmen und deren Freunde gleich mal zu der Veranstaltung einlädt. Bis Facebook es merkt und dem ganzen einen Riegel vorschiebt. Aber gesehen werden kann ja leider nur der, der Geld bezahlt, und daher verdient – an Stelle von der Druckerei, dem Flyerversand, den Verteilern und der Agentur, die den Flyer designt hat, jetzt…. – Facebook. Und zwar nur Facebook.

Natürlich ist so eine papierlose Werbung grossartig für die Umwelt, der Regenwald kann aufatmen, denn die Werbung zum anfassen hat ihren Reiz verloren. Denn in jeder Hosentasche und in jedem Wohnzimmer breitet sich die blaue Malaria aus, sei es auf dem Handy, dem „Phablet“, dem Tablet, auf der Spielekonsole, auf dem Smart TV, dem Laptop oder sonstwo –  überall ist man sozial online und vernetzt und man weiss teilweise schon gar nicht mehr, was man zuerst teilen/liken/sharen/blocken oder sonstwie breittreten soll. Veranstalter gründen fix eine Seite für eine Veranstaltung, von der sie noch nicht einmal wissen, ob sie ein weiteres mal stattfindet. Macht aber nichts, kann man ja wieder löschen. Und das führt dazu, dass viele den Überblick in dem ganzen digitalen Overkill verlieren und es ihnen irgendwann wieder egal wird, weil es schlicht ind ergreifend zu anstrengend ist und fast schon in einen Nebenjob ausartet, sein Facebook Konto zu „verwalten“.

Aber irgendwie ist es doch das selbe wie mit den Schallplatten und den Mixtapes: Entziehen kann man sich der Digitalisierung nicht, aber man sollte sich ihr auch nicht ganz hingeben. Einige Veranstalter bestellen wieder merklich mehr kleiner Infoblätter, die nach dem Lesen als Papierflieger und Zigarettenfilter dienen können und hier und da findet man wieder schön gemachte Poster, die an Werbefassaden gekleistert wurden und somit ein wenig Farbe ins Ortsbild bringen. Und irgendwann kann sich ein Laden auch wieder durch sein Logo auf einem Poster ins Gespräch bringen, und nicht nur durch die Anzahl der Likes in der blauen Gesichtsbuch-Pest.

Lang lebe die Revolution….

PostHeaderIcon Das sinnlose EDM Geballer und die Resident-DJs

Gelesen und geklaut von Gordon von den Discoboys:

Halt Stopp! Bevor die Glöckchen süßer nie klingen und die Geschenke entpackt werden, möchte ich um Deine geschätzte Aufmerksamkeit bitten. 2014 neigt sich dem Ende entgegen und viele Clubmacher sind froh: Die WM im Sommer war nur ein Grund für ein schweres Jahr als Besitzer einer Räumlichkeit mit Bar und Tanzfläche. Freitags wird weiterhin vielerorts vergeblich auf Gäste gewartet. Durch die Konzentration auf Samstag als teilweise einzigem Öffnungstag reicht am Monatsende die Kohle nicht, um die Pacht zu bezahlen. Da ist es doch verständlich, dass als Erstes an gebuchten DJs gespart wird. Denn diese kosten Geld – und das sitzt längst nicht mehr locker.

Neben teilweise horrenden Gagen fallen Agenturgebühr, Hotel- und Reisekosten an, ganz zu schweigen von immer üppiger werdenden Bestellungen, auch „Artist-Rider“ genannt. Und wofür? Die aufgelegte Musik unterscheidet sich nicht! Überall läuft dasselbe in anderer Reihenfolge. Danke, liebes Internet, dass Du jeden noch so obskuren Track findest. Danke, liebe Hersteller von DJ-Technik, für Geräte, mit denen jeder auflegen kann. Danke, liebe Programmierer, für Software, die mit nur einem Klick verrät, wie das Stück heißt, das gerade läuft und die ganze DJ-Sets transparent im www abbildet. Musikalische Mysterien gibt es heute nicht mehr – genauso wenig wie Privatsphäre.

Die scheinbar einzige Währung, die heute zählt, sind Klicks. Je mehr Fans Du hast, desto eher wirst Du gebucht. Dass sich dadurch so manch einer an den Decks wiederfindet, der eben noch Comedian oder Soap-Darsteller war, verwundert nicht. Ob das für das wichtigste im Club – musikalische Qualität – spricht? Natürlich nicht! Hauptsache die Bude ist voll. Wenn dann ein solcher Möchtegern-DJ versagt und so sicher wie das Amen in der Kirche Fail-Videos folgen – umso besser. Popularität um jeden Preis. Peinlichkeit wird in bare Münze verwandelt. DJ kann jeder! Qualität muss draußen bleiben. Authentizität braucht kein Mensch. Aufmerksamkeit jeder.

Dieser Trend ist ein Grund für leerer werdende Clubs. Denn hier werden schlicht und einfach die Menschen verarscht, auf die es ankommt: Die Gäste bezahlen für jemanden, der als DJ angekündigt wird, aber keiner ist. Sie sind nur noch Füllmaterial, das für spektakuläre Bildbeweise sorgen soll, indem sie den Laden füllen und auf Anweisung Stimmung machen. Vorbei ist die Zeit, als der DJ nur mittels seines Mixes und seiner Musikauswahl einen Spannungsbogen erzeugen durfte und es selbst in der Hand hatte, wann die Hände auf der Tanzfläche in die Höhe schnellten. So viel Geduld hat niemand mehr. Wer ausgeht, will alles und das sofort. Es muss das Erwartete dargeboten werden. Überraschungen sind nicht erwünscht. Konfetti muss fliegen. Alles wird zum Event. „Mach‘ ich Foto. Tu‘ ich Facebook“. Wie ferngesteuert wirkt die Herde. Fremdbestimmt lebt es sich leichter. Das Gehirn kann an der Garderobe abgegeben werden.

Aber keine Sorge: Genauso wie sich Ohrenkrebs verursachendes EDM-Geballer in Kürze von selbst erledigt haben wird, wird auch oben beschriebene Missachtung jeglicher Definition von Club-Kultur bald vorbei sein. Der Richter ist das Publikum, das man nicht für dumm verkaufen kann und das Fehlen von Substanz schneller entlarvt, als Olli Pocher „Boris Becker ist ein Homo“ sagen kann. Sollte es nicht so kommen, plädiere ich für einen DJ-Ausweis, den man nach einer mindestens zweijährigen Tätigkeit als Resident-DJ erhält und ohne den man DJ-Kanzeln nicht mehr betreten darf.

Womit wir beim eigentlichen Thema wären: dem Resident-DJ. Er hat die schlechtesten Arbeitszeiten des Landes, immer Nachtschicht und das obendrein ausschließlich am Wochenende. Er schließt stets den Betrieb am frühen Abend auf und am Morgen danach wieder ab. Er serviert das musikalische „hors d’oeuvre“, lockt die ersten Gäste auf die Tanzfläche, für die Hauptspeise aber macht er Platz. Wenn der „Mainact“ kommt, hat der Resident Pause. Hilflos muss er zusehen, wie der Star des Abends Hit auf Hit raus ballert und ihm die Meute dankbar aus der Hand frisst. Vielleicht wundert er sich, warum Stücke, die er auch schon aufgelegt hat, viel heftiger abgefeiert werden. Bestimmt ist er neidisch darauf, dass der Gast-DJ ein vielfaches seiner Gage bekommt, muss er sich doch mit zwei- bis dreihundert Euro zufrieden geben – und das obwohl er seine Crowd am besten kennt und weiß, welches Stück als nächstes auf jeden Fall funktionieren würde.

So aber darf er am Ende die Reste rausfegen und muss die paar Leute zufrieden stellen, die ihm der Gast-DJ bis frühestens vier Uhr nicht weggespielt hat. Darum sind ihm die Nächte am liebsten, in denen kein anderer DJ hinzu gebucht wird und ihm für acht Stunden die Tanzfläche alleine gehört. Dieser Job ist kein Zuckerschlecken. Dieser Job ist hart, verlangt er doch von jemandem, der im Rampenlicht steht, dass er sich stets zur besten Zeit zurücknimmt und es anderen überlässt, die Lorbeeren einzuheimsen. Regel Nummer Eins eines jeden Booking-DJs lautet deshalb: „Respektiere den Resident“.

Ich finde es nur allzu verständlich, dass der Resident-DJ bei einer extrem vollen Hütte (was mitunter natürlich dem gebuchten Gast zu verdanken ist) ein bisschen von seinem Können zeigen möchte und den einen oder anderen Hit abfeuert, bevor der Kopfhörer gewechselt wird. Das hat schon 1998 der „beste Resident der Welt“ des Docklands Münster jedes Mal so gemacht, bevor er uns freundlicherweise die DJ-Kanzel überließ. Cutmaster Jays Spezialität war aber eine andere: Er scratchte mit House-Scheiben. Damals hatte der reisende DJ nur so viel Vinyl dabei, wie er tragen konnte – meistens eine Kiste mit 60-80 Maxisingles. Diese Challenge ist heute also ungleich leichter, da man auf einem 32 Gigabyte-USB-Stick fast seine ganze Plattensammlung mit sich führen kann, wo sich doch der eine oder andere Track finden lassen sollte, den der Resident-DJ noch nicht gespielt hat. Und sollte man Vollprofi sein und erst zwei Minuten vor Set-Beginn die DJ-Kanzel entern, kann es helfen, den Resident zu fragen, ob er die Nummer, die man als Erste ausgewählt hat, schon gespielt hat. Zugegeben: Bei einem vorproduzierten Z-Promi DJ-Set fällt diese Möglichkeit aus.

An dieser Stelle möchte ich kurz einen Shistorm erwähnen, der vor ein paar Wochen bei Facebook aufgekommen ist. Ein gewisser Jan Leyk hat ihn verursacht, weil er sich ausführlich über oben gehuldigte Arbeitnehmer aufgeregt hat. Der Mann mit einer beachtlichen siebenstelligen Zahl an Fans hat seine Worte nicht besonders weise gewählt, was ihm die Häme einer ganzen Zunft bescherte und weswegen er den Post leider wieder entfernte. Der Kern seiner Aussage war, dass der Resident gefälligst keine Hits zu spielen habe, die doch ihm als Gast vorbehalten seien und nicht mit dem Mikrofon dazu aufzurufen habe, die fucking Hände in die Air zu putten oder sich down zu sitten. Abgesehen davon, dass ich ja schon letztes Mal kundgetan habe, dass meiner Meinung nach kein DJ sich am Mikrofon versuchen, sondern lieber durch seine Musik zu den Menschen sprechen sollte, finde ich diese Art der Bevormundung einfach nur peinlich. Bestimmt wollte der gescholtene Resident-DJ einfach nur sauber abliefern. Hinterher öffentlich und schriftlich fertig gemacht zu werden, gehört sich nicht. Lieber hätte der angefressene Jan bei einem Jägermeister mit dem Übeltäter direkt darüber sprechen sollen. Aber so eine direkte Konfrontation ist wahrscheinlich zu old-school und nicht mehr angesagt. Darum: Vor dem Posten Gehirn einschalten, dann kann man sich danach das Löschen sparen. Fettes Dis-Leyk!

Neulich wurde ich gefragt, ob es möglich wäre, beim nächsten Auftritt ein bisschen old-school Sound zu machen. Ich erwiderte: „Ich mache nicht, ich bin old-school“. Es war der Abend, an dem der DJ vor uns 15 Minuten vor unserem Auftritt als „The Disco Boys“ einen gravierenden „faux-pas“ beging: Er spielte unseren Dauerbrenner, Evergreen, größten Hit „For You“. In der Original-Version. In voller Länge. Das ist in etwa so, als würde der DJ vor Robin Schulz sein Set mit „Waves“ beenden. Oder der vor Klangkarussell mit „Sonnentanz“ übergeben. Oder der Anheizer von Helene Fischer „Atemlos“ spielen. Wir waren erst sprachlos, haben uns dann aber bedankt, weil wir es nicht mehr spielen müssen – es am Ende aber trotzdem noch einmal auflegten. Denn eins habe ich von den Resident-DJs gelernt: Das DJ-Pult ist nicht der richtige Ort für falsche Eitelkeit! Oder um es mit Adi Preißler zu sagen: „Grau ist alle Theorie – entscheidend ist auf’m Platz!“ – wobei der Platz in unserem Fall die Tanzfläche ist.

Und sonst? Klappe halten, weiterfeiern! Denn es geht des Nachts nicht darum, die Welt zu retten, sondern nur mittels Musik den Anwesenden eine gute Zeit zu bereiten.

PostHeaderIcon Das ABC des Bookings

Gelesen und leider für zu wahr befunden, weil es zu oft passiert, nicht nur berühmten Knöpfchendrückern..:

Booking Anfragen, kann man auch mal ablehnen:

Das Booking:
Nein, ein „Hey Alter, was kostet Du so pro Stunde“ via Facebook Messenger, ist keine Booking-Anfrage. Ja, Wirklich nicht! Wenn Du all die unübersehbaren Hinweise in Fettschrift welche direkt auf den Booking-Kontakt verweisen übersehen hast, zeugt das lediglich von Ignoranz und wirkt äußerst Unseriös.

Die Location:
Ja, es ist schwer als neuer, unbekannter Veranstalter an die coolen Clubs der Stadt ran zu kommen. Nein, ich kann leider wirklich nicht in der Discothek „Flirt“ für Dich spielen, weil die Leute dort ganz sicher nichts mit meiner Musik anfangen können. Nein, dort kommen auch keine Leute extra wegen mir hin, es ist halt eine Discothek!

Der Name des Events:
Nein, Tekknoattack, Klangextasentherapie, oder Bassocalypse sind keine Veranstaltungen auf denen ich super gern mal spielen möchte.
Ja, der Name, das Design, die Texte und die Wertigkeit der Werbung sagen ungemein viel über Dich und die Qualität deiner Veranstaltung aus.

Die Gage:
Ja, die Booking-Agentur verhandelt mit Dir über den Preis.
Nein, ich kann Dir da keinen Kumpeldeal anbieten.
Ja, ohne Booking-Agentur kann, darf und will ich nichts mit Dir fest machen.
Nein, das hat nichts mit meiner arroganten Art zu tun, sondern mit Fairness meiner Agentur gegenüber.

Die Reise:
Ja, es ist viel günstiger von Berlin nach Istanbul mit Regionalbahnen zu pendeln.
Nein, ich kann da leider keine Rücksicht auf Euer Budget nehmen.
Ja, die Booking-Agentur wird die Reise buchen und nicht Du selber.
Nein ich möchte nicht früh um 6Uhr schon ankommen und am nächsten tag den 22uhr Flug nehmen da ich um 12Uhr schon aus dem Hotel raus muss weil der Late-Checkout zu teuer war.

Das Hotel:
Ja, es muss mindestens ein 4 Sterne Hotel sein! Nein, es geht kein Ibis Hotel!
Wenn man pro Woche (7 Tage) bis zu 4 Nächte nicht im eigenen Bett schlafen kann, ohne sein eigenes Kissen, Kuscheltiere, Gummispielzeug, oder auch jemanden der einem das Frühstück ans Bett bringt, dann möchte man doch bitte wenigstens in einer halbwegs gemütlichen Umgebung aufwachen. Der Wunsch nach Late-Checkout, einem großen & gemütlichen Bett, einem vernünftigen Bad und im Idealfall einer Kaffeemaschine auf dem Zimmer haben nichts mit Star-Allüren zu tun.

Am Club ankommen:
Ja, es ist irgendwie ungünstig, wenn die Türsteher einen nicht rein lassen, weil man einen großen Alukoffer dabei hat, wenn man Eintritt zahlen soll, oder sich bitte hinten in der Schlange anstellen möge, während Du telefonisch nicht erreichbar bist!

Der Technical Rider:
Ja, Ihr erwartet von Euren Künstlern, für die Ihr Geld bezahlt, dass sie Ihren Job gut machen. Also gottverdammt nochmal versucht wenigstens Euren Job ebenfalls zu machen und lest den Technical Rider! Die Leidtragenden sind das Publikum und der Künstler, wenn die Show nur auf halber Kraft, oder im Worst-Case gar nicht gespielt werden kann.
(Der Technical Rider ist eine Auflistung an Technik, welche zur Verfügung gestellt werden muss um den Auftritt des Künstlers zu ermöglichen)

Das Line-Up & der Warm-Up-DJ:
Ja, ich weiß… Euer Kumpel kann super mit Traktor umgehen und kommt sicher bald ganz groß raus. Dennoch sind 138bpm Hardtechno nicht auf jeder Veranstaltung das ideale Warm-Up.
Note to yourself: Wenn man die Leute schon am Anfang verheizt ist den Rest des Abends nichts mehr zu holen!

Getränke:
Ja, es ist völlig in Ordnung, wenn Ihr keine Getränkemarken mehr übrig habt, wegen Euren ganzen Kumpelz. Aber sorgt doch bitte wenigstens dafür, dass ein paar Drinks auf der Bühne stehen, wenn man 3 Stunden bei Saunatemperaturen auf den Beinen bleiben soll.
Nein, ich möchte stattdessen kein Koks, Speed, Peppen, Pillen, Gras, Keta, oder Pfeffi!

Der Light-Jockey & der Techniker:
Nein, keiner der etwa 30 volltrunkenen hier auf der Bühne, scheint zu wissen wo die sind. Ja, die werden sicher bei „den Anderen“ im Backstage sein.

Der Backstagebereich:
Nein! Der Backstage ist keine mit Rauch durchzogene Drogenhöhle hinter der Bühne, in der Eure Kumpelz und Kumpelz-Kumpel damit beschäftigt sind, den Kühlschrank schnellstmöglich leer zu machen.
Ja, klingt total verrückt, aber es könnte auch ein Raum sein in dem man nach dem Gig seine verschwitzten Klamotten wechseln, was Kühles trinken und kurz ausruhen darf.

Die Gagen-Auszahlung:
Ja, die Party war irgendwie nicht so gut besucht, vielleicht lag es an der fehlenden Werbung?! Nein, ich bin kein arrogantes Arschloch, weil ich Dir jetzt nicht mit der Gage entgegen kommen möchte.
Note to yourself: Ich mache meinen Job, Du machst Deinen Job.
Wenn der eine seinen Job nicht richtig macht, sollte der andere dafür nicht bezahlen müssen!

Das Taxi-Geld:
Nein, ich möchte nicht dass Du mich zum Hotel fährst mit 1,8 Promille und tellergroßen Pupillen. Ja, ich kann mir ein Taxi nehmen. Ja, das kostet Geld. Ja, wär super, wenn Du deswegen jetzt EXTRA noch mal zur Kasse gehen würdest um das zu holen. Ja, ich brauch dann auch das Taxi-Geld, um morgen vom Hotel zum Bahnhof/Flughafen zu kommen. Nein, 10,-€ werden dafür nicht ausreichen…

Die Verabschiedung:
Ja, „hau rein Alter, bis zum nächsten mal“ zeugt von einem gesunden Selbstbewusstsein.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

PostHeaderIcon Farewell 2014

Das soll es also gewesen sein, das Jahr 2014 in Musik. Was gab es nicht alles: Deep House (gab es schonmal und das was alle heute „Deep House“ nennen ist nichtmal ansatzweise das, was man Deep House nennen sollte), EDM ist in den USA explodiert (also Trance mit Hardstyle gemischt und anstatt 140bpm halt auf 130bpm), Dubstep (das irgendwie so klingt, als ob die Transformers wütenden Sex miteinander haben) und viele Genrevermischungen, die leider in der Öffentlichkeit zu wenig Aufmerksamkeit bekommen haben.

Ich wünsche mir für 2015, dass es den sackhaarlosen Laptopnerds schwieriger gemacht wird, eine Bassline und einen Beat unter einen Song zu legen und es „Bootleg“ oder „Edit“ zu nennen, dass es originelle, neue, aufregende Musik geben wird, wir alle wieder von diesen nervigen Genreschubladen weg kommen und einfach nur über „Musik“ sprechen und darauf feiern können, anstatt rumzulaufen und auf Leute zu schimpfen, die eine andere Musikrichtung favorisieren. Es sind nichtmehr die 80er, es gibt kein „Popper“ gegen „Punk“ mehr. Entspannt euch alle mal, geniesst die spannende Entwicklung in der Musik, die die neue, einfach zu bedienende Technik heutzutage ermöglicht.

In diesem Sinne, gehabt Euch wohl und auf ein grossartiges 2015! Falls ihr an meinem teilhaben wollt, macht das doch über meine Facebook Page, meinen Twitter Account oder über mein Soundcloud-Konto. Um Euch das Warten auf 2015 zu verkürzen, hier der Link zum letzten PUZZLECAST für 2014:

The last one for this year… Starts dark and twisted and ends on a happy groovy note. Enjoy, share and like if you wish!

01 robert babicz – duba (guy j mix)
02 guy j – combo
03 phonique – t groove
04 boy next door – lial (koletzki mix)
05 johannes brecht – another world
06 eddie amador – house music (robosonic mix)
07 philip bader – houserism
08 dusky – yoohoo
09 redondo & boiler – sunshine
10 low steppa – so real

UPCOMING GIGS
CONFIRMED FOR 2017

29.4. - Private Wedding
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